Am vergangenen Samstag empfing das Conservatoire National de Véhicules Historiques die Familie des britischen Rennfahrers Les Leston, Sieger des Grand Prix de Luxembourg 1952, zu einem außergewöhnlichen historischen Besuch in Luxemburg. Mit dabei waren auch Ed Goedert, Vizepräsident des Automobile Club du Luxembourg (ACL) und damaliger Organisator des Rennens, sowie Andrew Notter, Chairman der British Chamber of Commerce for Luxembourg. Organisiert wurde der gesamte Tag von Tom Sauber, Vizepräsident des CNVH.

Der Besuch begann am ehemaligen Start- und Zielbereich des Rennens auf dem Findel. Gemeinsam mit der Familie Leston führte Tom Sauber über Teile der historischen Streckenführung in Richtung Neudorf. Anhand von Originalaufnahmen, präzisen Ortsbeschreibungen und Berichten aus zeitgenössischen Quellen entstanden lebendige Eindrücke des Renntages, an dem der damals noch junge Les Leston 1952 einen seiner großen sportlichen Erfolge feierte und als Erster die Ziellinie überquerte.

In Neudorf kam es anschließend zu einem besonders bewegenden Moment. Auf die Frage, was ein solcher Besuch für ihn bedeute, antwortete Nick Leston, Sohn des Rennfahrers:
„Es ist für mich sehr emotional, auf den Spuren meines Vaters zu sein. Mein Vater war Gunner im Zweiten Weltkrieg. Er gehörte zu den sehr harten Jungs – und nach dem Krieg mussten sich diese Männer etwas suchen, das ihnen das gleiche Adrenalin gab. Für meinen Vater war das das Rennfahren. Wenn ich hier stehe und sehe, wie die Abfahrt vom Findel hinunter nach Neudorf verlief, dann muss das brutal gewesen sein. Die Fahrer hatten damals kleine Formelwagen mit sehr schwachen Bremsen, von Sicherheit war überhaupt noch keine Rede. Das Foto aus dieser Kurve hing das ganze Leben meines Vaters über in seinem Haus – und so begleitet mich dieses Bild mein Leben lang. Heute, genau hier in dieser Kurve zu stehen, bedeutet mir sehr viel.“

Im Anschluss führte der Weg nach Diekirch in das Conservatoire National de Véhicules Historiques. Dort präsentierte CNVH-Präsident Georges Carbon das historische Wagner-Haus und erläuterte das museale Konzept. Zu den Höhepunkten des Rundgangs zählten der Buick der großherzoglichen Familie sowie der Cooper 500, mit dem Alan Brown 1951 den Grand Prix de Luxembourg gewann.

Danach präsentierte Ollie Leston, Enkel von Les Leston, dem Comité des CNVH eines der handgefertigten Lenkräder der Marke Les Leston, wie sie bereits vor Jahrzehnten von seinem Großvater gefertigt und international vertrieben wurden. Das mitgebrachte Modell, ein „Monte Carlo“, trägt seinen Namen in Erinnerung an den Sieg von Paddy Hopkirk bei der Rallye Monte Carlo im Jahr 1964. Dieser Moment schlug eine direkte Brücke zwischen der historischen Tradition der Marke Leston und ihrer heutigen Weiterführung.
Zum Abschluss des Tages besuchte die Gruppe den Luxemburg-Grand-Prix-Historiker Goy Feltes, der sein umfangreiches Fotoarchiv öffnete. Viele der dort gezeigten Bilder waren zuvor nie veröffentlicht worden. Für die Familie Leston war dies der bewegendste Augenblick des Tages: Auf zahlreichen Aufnahmen sahen sie ihren Vater und Großvater in neuen, teils noch nie gesehenen Szenen wieder – ein berührendes Wiedersehen mit Geschichte, das sichtbare Emotionen auslöste.
Gegen Ende des Besuchs wandte sich Ollie Leston dankbar an die Gastgeber und erklärte:
„Thanks to the CNVH from all of us for a fantastic weekend. We loved it and can’t wait to come back in March. All of your passion for your country and its heritage, along with your friendliness, was infectious.“
Mit einem Schmunzeln fügte er hinzu: „What are the chances of closing the roads for a race at Findel?“
Tom Sauber betonte im Rahmen des Besuchs die Bedeutung solcher Begegnungen: „Es ist von großer Bedeutung, solche kulturellen Austausche zu ermöglichen – insbesondere dann, wenn sie thematisch unmittelbar in den Kontext unserer Arbeit fallen. Für beide Seiten entsteht dabei ein echter Mehrwert. Auch wir konnten heute vieles über unsere eigene Geschichte erfahren, die über Jahrzehnte im privaten Besitz der Familie Leston verborgen lag. Selbstverständlich tragen wir diese Geschichte gerne weiter; vielen Menschen ist gar nicht bewusst, wie außergewöhnlich sie tatsächlich ist. Ich bin überzeugt, dass dies nicht die letzte Visite guidée auf den Spuren des Grand Prix de Luxembourg gewesen sein wird. Sie schlägt eine wunderbare Brücke zwischen Nationen – und zwischen uns und den Nachkommen der Rennfahrer von damals. Zugleich ist es bedauerlich, dass weder am Findel noch in Neudorf heute etwas an den Grand Prix de Luxembourg erinnert. In den kommenden Wochen werde ich deshalb das Gespräch mit der Stadt Luxemburg und der Gemeinde Sandweiler suchen, um genau das zu ändern.“
Dieser besondere Tag hat nicht nur die Erinnerung an den Grand Prix de Luxembourg neu belebt, sondern auch die kulturelle und historische Bedeutung des Motorsports für Luxemburg unterstrichen und gezeigt, wie eng menschliche Geschichten, historische Dokumente und automobile Kultur miteinander verwoben sind.












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